Cannabis als Medizin

 

Seit März 2017 dürfen Ärzte Patienten mit schwerwiegenden Erkrankungen Cannabis verordnen, das Sie dann über unsere Apotheke beziehen können. Wir haben die wichtigsten Informationen für Sie zusammengefasst. Für weitere Fragen stehen wir Ihnen gerne persönlich, per email (apotheke@apo-am-clemens.de) oder telefonisch (0251 – 390018-0) zur Verfügung.

 

Was ist Cannabis?

Die Hanfpflanze (Cannabis sativa) ist eine alte Kulturpflanze, verwandt mit dem Hopfen. Sie stammt ursprünglich wahrscheinlich aus dem Himalaya, ist aber inzwischen in der ganzen Welt verbreitet. Die Pflanzen werden bis zu sieben Metern hoch und haben charakteristische gezahnte, handförmige Blätter.

Aufgrund ihrer psychoaktiven Wirkung, ist Cannabis die am häufigsten konsumierte illegale Rauschdroge. Die getrockneten Blüten und blütennahen Blätter werden auch als Marihuana bezeichnet, das aus den Pflanzenteilen gewonnene Harz nennt man Haschisch.

Seit längerem wird nun auch die medizinische Anwendung von Cannabis erforscht, bei einigen Krankheitsbildern ist die Wirksamkeit bereits gut nachgewiesen. Hauptwirkstoffe sind das ∆9-Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) . Es gibt verschiedene Sorten von Blüten, die sich hinsichtlich des Wirkstoffgehalts unterscheiden.

 

Was ist jetzt neu?

Seit dem 10.März 2017 ist Cannabis verkehrs- und verschreibungsfähig. Die Gesetzesänderung betrifft allerdings ausschließlich den pharmazeutisch-medizinischen Einsatz. Privater Anbau, Beschaffung oder Anwendung als Genuss- und Rauschmittel sind, nach wie vor, strikt verboten.

Ärzte können jedoch neuerdings Patienten mit schwerwiegenden Erkrankungen und bei fehlenden Therapiealternativen Cannabis auf Rezept verordnen.

Mit Inkrafttreten des Gesetzes hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) eine Cannabisagentur gegründet, die den Anbau von Cannabis zu medizinischen Zwecken in Deutschland steuern und kontrollieren soll.

 

Wem hilft Cannabis?

Cannabis ist schon seit Jahrtausenden als Heilmittel bekannt, in der „modernen“ Medizin jedoch noch ein verhältnismäßig junges Forschungsgebiet. Deshalb liegen noch nicht besonders viele Studien vor.

Gute Ergebnisse gibt es für den Einsatz in der Schmerztherapie, als weitere Anwendungsgebiete werden bislang Multiple Sklerose, Übelkeit und Appetitlosigkeit während einer Chemotherapie, Epilepsie, Tourette-Syndrom, Glaukom und verschiedene psychische Erkrankungen diskutiert. In vielen Fällen kann man noch keine Aussagen zur Wirksamkeit machen.

Der Einsatz von Cannabis darf nur dann erfolgen, wenn Aussicht auf Verbesserung der Symptome oder des Krankheitsverlaufs besteht und keine alternative ziehlführende Therapie zur Verfügung steht.

 

Woher kommt das Cannabis?

Derzeit können nur aus den Niederlanden und Kanada importierte Cannabisblüten abgegeben werden. Es wird dort unter standardisierten Bedingungen als Medizinal-Cannabis angebaut, das einen gleichbleibenden Wert des Wirkstoffes THC und der anderen etwa 136 Inhaltsstoffe erreicht. Lieferungen des kanadischen Cannabis in Spezialcontainern per Flugzeug sind sehr teuer.

Solange medizinisches Cannabis noch nicht (ausreichend) in Deutschland produziert und über die deutsche „Cannabis-Agentur“ in Verkehr gebracht wird, können die Patienten ausschließlich mit diesen importierten Cannabisblüten versorgt werden.

 

Erstattung durch die (gesetzlichen) Krankenkassen?

Die (gesetzlichen) Krankenkassen erstatten die Kosten für Arzneimittel mit Cannabis in Form von getrockneter Blüten und Cannabisextrakten, sowie für Arzneimittel mit den Wirkstoffen Dronabinol und Nabilon.

Die Erstattungsfähigkeit ist nicht an bestimmte Indikationen, aber an andere Voraussetzungen geknüpft:

Sie erfolgt nur für Patienten, bei denen eine allgemein anerkannte, dem medizinischen Standard entsprechende Leistung nicht zur Verfügung steht oder nicht angewendet werden kann. Zugleich muss die Aussicht bestehen, dass sich das Arzneimittel spürbar positiv auf den Krankheitsverlauf oder auf schwerwiegende Krankheitssymptome auswirken kann.

Soll ein Patient ein Arzneimittel auf Cannabis-Basis auf Rezept erhalten, bedarf es bei der ersten Verordnung der Genehmigung der (gesetzlichen) Krankenkasse, die vor Beginn der Leistung zu erteilen ist. Den Genehmigungsantrag stellen wir als Apotheke für Sie, die Bearbeitungsdauer variiert bei den angefragten Krankenkassen. Eine Genehmigung darf nur in begründeten Ausnahmefällen abgelehnt werden.

 

Wie wird Cannabis angewendet?

Die in den Cannabis-Blüten vorliegenden Wirkstoffe werden erst durch Erhitzen in die wirksamen Formen umgewandelt. Somit kommen nur Applikationsformen in Frage, bei denen der Patient Cannabisblüten thermisch behandelt.

Wie der Patient Cannabisblüten anwenden soll, entscheidet der Arzt. Möglich ist z.B. die Inhalation mittels eines Verdampfers oder die Einnahme als Tee.

Beim Rauchen von Cannabisblüten in Kombination mit Tabak entstehen schädliche Verbrennungsprodukte. Diese Applikationsform ist daher für die therapeutische Anwendung von Cannabisblüten nicht geeignet. Bei anderen oralen Darreichungsformen, wie dem Einbacken von Cannabisblüten in Kekse, kann die Dosis pro Anwendung nicht reproduziert werden. Daher sind diese aus Gründen der Arzneimitteltherapiesicherheit nicht zu empfehlen.